top of page

Haltung zeigen als Gesundheitsexpertin: Warum es für online Sichtbarkeit Mut braucht

  • Autorenbild: Ina Schüttke
    Ina Schüttke
  • 30. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Apr.

Ina Schüttke

Geschrieben von Ina Schüttke, Co-Founderin ErfolgsEssenz GmbH


Vor über fünf Jahren habe ich einen Beitrag zum Leaky Gut Syndrom auf Instagram veröffentlicht, der komplett auseinandergenommen wurde. Kommentar um Kommentar, Angriff um Angriff.


Ich habe in dieser Nacht nicht geschlafen. Ich habe geweint, ich habe an meiner Arbeit gezweifelt, an meiner Expertise, an meiner ganzen Art, Menschen helfen zu wollen. Am nächsten Morgen habe ich den Beitrag gelöscht und mich innerlich sehr klein gemacht.

Danach habe ich jahrelang nur noch das gepostet, was sicher war. Nette Tipps, allgemeine Empfehlungen, Inhalte, bei denen niemand widersprechen würde. Eine Zeit lang hat das sogar funktioniert, weil der Markt damals noch anders war und auch harmlose Inhalte ihre Leserinnen gefunden haben.


Heute funktioniert das nicht mehr. Wer sich als Expertin im Gesundheitsbereich positionieren will, muss eine klare Haltung haben, muss zu bestimmten Themen wirklich Stellung beziehen, und muss aushalten, dass nicht alle klatschen. Genau das, wovor ich damals geflohen bin, ist heute die Eintrittskarte für Sichtbarkeit.



Warum sichere Inhalte heute nicht mehr reichen

Wenn du heute auf Instagram, im Blog oder im Newsletter nur das postest, was alle gut finden, verschwindest du. Das ist keine Vermutung, das ist Realität. Die Algorithmen belohnen Beiträge, die echte Reaktionen auslösen, und echte Reaktionen entstehen nur, wenn jemand wirklich etwas sagt.

Die meisten Frauen im Gesundheitsbereich, die ich kenne, haben sich genau das antrainiert, was mich damals gerettet hat. Sie posten nett, sie posten unverfänglich, sie posten Tipps, denen niemand widersprechen kann. Trinke genug Wasser, achte auf Schlaf, höre auf deinen Körper. All das ist nicht falsch, es ist nur unsichtbar.

Haltung zeigen als Gesundheitsexpertin bedeutet, dass deine Leserin nach drei Sekunden weiß, wofür du stehst und wofür nicht. Sie muss spüren, dass da eine Frau mit einer Meinung sitzt, mit fachlicher Tiefe, mit einer eigenen Perspektive auf die Themen, in denen sie arbeitet. Erst dann beginnt Vertrauen.


Warum Polarisieren nicht Provozieren ist

Einer meiner letzten Beiträge war eine klare Kritik an Nutella und daran, was dieses Produkt im Körper anrichtet. Das ist kein Skandal-Post, das ist meine fachliche Meinung als Heilpraktikerin, klar ausgesprochen.

Der Unterschied zwischen Provokation und Polarisation ist entscheidend. Provokation will Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen. Polarisation entsteht, wenn du fachlich Stellung beziehst und in Kauf nimmst, dass das nicht alle teilen. Wer als Expertin wahrgenommen werden will, kann nicht gleichzeitig allen gefallen, weil eine Haltung immer auch ausschließt, was sie nicht vertritt.

Genau hier bleiben viele Frauen im Gesundheitsbereich stecken. Sie haben gelernt, alle abzuholen, niemanden zu verlieren, immer freundlich und ausgewogen zu sein. Bei Instagram funktioniert das nicht mehr, weil ein Profil ohne Kante im Feed komplett verschwindet. Die Leserin scrollt weiter, ohne dass sie überhaupt registriert hat, was du anbietest.

Und ja, es kommen Gegenstimmen, kritische Kommentare, manchmal auch echte Angriffe. Die Angst davor hat bei mir nur deshalb abgenommen, weil ich mich ihr immer wieder gestellt habe, Beitrag für Beitrag, Kommentar für Kommentar. Mut ist keine Eigenschaft, die man besitzt oder nicht besitzt. Mut ist das, was übrig bleibt, wenn man trotz der Angst beim nächsten Post wieder auf veröffentlichen drückt.


Wie Positionierung durch durchdachte Sichtbarkeit entsteht

Positionierung ist nicht, was du über dich schreibst. Positionierung ist, was die Menschen auf den ersten Blick über dich denken. Diese Unterscheidung verändert alles, sobald du sie wirklich verstanden hast.

Mein Instagram-Profil sieht heute komplett anders aus als noch vor zwei Jahren. Ich trete dort als Heilpraktikerin auf, mit Kittel, mit klarer fachlicher Autorität, mit einer sichtbaren Rolle. Das ist kein Kostüm, sondern eine bewusste Entscheidung, wie ich gesehen werden will. Wenn du als Expertin wahrgenommen werden willst, muss das in jedem Beitrag sichtbar sein, in der Kleidung, in der Sprache, in den Themen.

Genau hier verlieren sich die meisten, weil sie versuchen, gleichzeitig nahbar, sympathisch und professionell zu sein, und am Ende wird keins davon richtig erkennbar. Eine Therapeutin, die mal als Mutter, mal als Coach, mal als Kollegin auftritt, sendet drei Signale gleichzeitig, und die Leserin entscheidet sich für gar keins.

Du musst dich nicht künstlich machen, um Haltung zu zeigen. Du musst nur entscheiden, welche Rolle du in der Wahrnehmung deiner Leserinnen einnehmen willst, und diese Rolle dann konsequent leben. Bei mir ist es die Heilpraktikerin mit Praxisalltag und fachlicher Tiefe. Bei dir ist es vielleicht die Ernährungstherapeutin, die Hormoncoach, die Trauma-Therapeutin. Was es genau ist, musst du wissen, bevor du den nächsten Post planst.


Vier Schritte, die du diese Woche umsetzen kannst

Wenn du gerade merkst, dass du dich hinter sicheren Inhalten versteckst, dann nimm dir diese vier Schritte vor. Nicht alle auf einmal, sondern einen nach dem anderen.


  1. schreibe in einem Satz auf, wofür du fachlich stehst und wofür nicht. Nicht wofür dein Beruf steht, sondern wofür du persönlich stehst. Was ist deine fachliche Meinung zu einem Thema, bei dem die Branche gespalten ist?

  2. schau dein letztes Profilbild und deine letzten zehn Beiträge an. Sieht eine fremde Leserin nach drei Sekunden, dass du Expertin bist? Wenn nein, ändere zuerst das Profilbild und die Sprache, bevor du am Inhalt arbeitest.

  3. schreibe einen Beitrag, in dem du klar Stellung beziehst, zu einem Thema, bei dem du fachlich qualifiziert bist. Kein Skandal-Post, sondern eine begründete Meinung. Lies ihn dir zweimal durch, dann veröffentliche ihn.

  4. lies die Kommentare ohne sie sofort zu beantworten. Nimm wahr, was du körperlich spürst. Genau das ist die Reaktion, vor der du dich jahrelang geschützt hast. Sie wird beim nächsten Mal kleiner sein.


Was du tun kannst, wenn die Angst trotzdem zu groß ist

Ich erfinde meine Beiträge nicht aus dem Bauch heraus. Wir schauen uns systematisch an, welche Inhalte bei anderen Profilen in unserer Nische überdurchschnittlich funktionieren, wo die emotionalen Knotenpunkte liegen, welche Themen die Menschen wirklich bewegen. Aus dieser Beobachtung heraus entwickeln wir eigene Beiträge, mit meiner fachlichen Perspektive und meiner Handschrift.

Das Ergebnis ist, dass meine Positionierung nicht auf Hoffnung basiert, sondern auf Resonanz. Ich weiß, worüber ich spreche, ich weiß, warum es die Menschen erreicht, und ich weiß, wo ich bewusst polarisiere, weil es mein Fach ist und nicht, weil ich Aufmerksamkeit suche.

Wenn du spürst, dass du dich gerade noch hinter sicheren Inhalten versteckst, dann ist das kein Charakterfehler. Das ist der Punkt, an dem ich selbst über Jahre gestanden habe. Die Angst geht nicht weg, weil du sie wegdenkst. Sie geht weg, weil du immer wieder durchgehst, mit System, mit Substanz, und mit einer Haltung, die in jedem Beitrag erkennbar ist.


Wenn du tiefer in genau diese Themen einsteigen willst, jede Woche eine konkrete Mail von mir, mit Erfahrungen aus der Praxis und der Selbstständigkeit, dann melde dich für unseren Newsletter an. Du bekommst dort regelmäßig Gedanken, die ich öffentlich nicht in dieser Tiefe teile.


Herzlich, Ina



Melde dich zu unserem Newsletter an, um regelmäßig von uns spannende Tipps zu bekommen.



Kommentare


bottom of page